Einmal im Jahr fahre ich mit ein paar Freunden auf eine mehrtägige Radtour. In diesem Jahr fragte mich mein 5 jähriger Sohn dann: „Papa, darf ich mit?“. Da wir aber normalerweise sehr weite Touren fahren, konnte ich ihm diesen Wunsch leider nicht erfüllen. Aber ich versprach ihm eine „mehrtägige“ Radtour 🙂 Und diese sollte uns auf den Emsradweg führen.

In unserem Sommerurlaub (September 2019) starteten wir also zu unserer „mehrtägigen“ Radtour auf dem Emsradweg. Da es unsere erste kleine Radreise werden sollte, habe ich erstmal nur eine Übernachtung geplant und die Strecke auf maximal 40 km pro Tag gesetzt, was für einen 5 jährigen, so glaubte ich, schon sehr anspruchsvoll ist.

Die Planung

„Also, wohin wollen wir denn fahren?“ fragte ich dann. „Nach Münster!“ erhielt ich dann recht schnell als Antwort. Hintergrund der Antwort ist, dass dort Verwandschaft von uns wohnt und mein Sohn diese gerne besuchen wollte.

Also die Onlinekarte geöffnet und nach möglichen, schönen Wegen gesucht. Und relativ schnell fiel mir der Emsradweg ins Auge. Der führt nämlich an Lingen vorbei über Rheine, Emsdetten, Greven und von dort konnte man relativ gut über kleine Landstraßen nach Münster fahren. Über die Webseite des Emsradweges kann man sehr bequem die GPX Datei, also den Streckenverlauf für das GPS, herunterladen und mit verschieden Tools und Webseiten für die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ich habe dazu z.B. gpsies.com und die App OsmAnd genutzt. Nach dem ersten hin- und herklicken kam ich auf eine Gesamtstrecke von über 100 km. Uff, das ist zu viel dachte ich und habe nochmal neu geplant. Der zweite Versuch landete dann bei 80 km. Das passt, dachte ich mir und suchte bei ca. der Hälfte eine Unterkunft. Ich hätte gerne im Zelt übernachtet, allerdings ist die Campingausrüstung noch nicht wirklich auf Leichtigkeit ausgelegt und somit haben wir uns ein kleines Hotel gesucht.

Der erste Tag auf dem Emsradweg

Nachdem dann alles geplant war, die Fahrräder überprüft und aufgepumt waren ging es dann an einem Sonntag nach dem Frühstück los. Die ersten Kilometer liefen schon super. Mein Sohn fuhr mit seinem 20 Zoll Rad so ca. 13-14 km/h und wir machten ordentlich Strecke. Die erste Pause haben wir dann nach 10 Kilometern bei Mehringen eingelegt.

Unsere Räder bei einer Pause
Unsere Räder bei einer Pause

Kurz gestärkt mit Orangenlimoande (Nein – Keine Fanta 🙂 ) und weiter ging es in Richtung Salzbergen. Das Fahren klappte wirklich deutlich besser als ich gedacht hätte. Wir haben zwar schon einige längere Touren mit unseren Kindern unternommen, aber auch nach 20 km war noch keine Ermüdung zu spüren. Die zweite Pause haben wir dann nach Salzbergen an einem Aussichtsturm eingelegt. Hier sieht man dann schon, dass die Ems im Vergleich zu Lingen deutlich schmaler und flacher wird.

Die Ems bei Salzbergen
Die Ems bei Salzbergen

Hier haben wir dann wirklich nur eine kurze Fotopause eingelegt. Und ja, jetzt komme ich in diesem Fotoblog auch mal auf das Thema Fotografie 🙂 Ich habe wirklich überlegt ob ich meine Kamera mitnehme, habe mich am Ende dann aber doch dagegen entschieden, da es eine Vater-Sohn-Radtour werden sollte und ich mich in den Pausen nicht noch mit der Kamera beschäftigen wollte. Somit habe ich die Bilder hier im Beitrag alle mit meinem Handy, einem Samsung Galaxy S10, gemacht. Und ich bin echt überrascht, was das kleine Ding so leistet. Natürlich ist das Meiste aus der Software heraus entstanden, aber dennoch gefallen mir die Bilder echt gut. Nach dem obligatorischen Vater-Sohn-Selfie und einem Landschaftsfoto ging es dann weiter nach Rheine.

Von Rheine nach Emsdetten

Allmählich kamen wir in Richtung der 30 Kilometer und auch mehrmaliges Nachfragen nach dem Zustand der Beine wurde mit einem „Gut“ beantwortet. Also weiter nach Rheine. In Rheine angekommen haben wir uns dann erstmal gestärkt und uns zum Mittag einen Burger bzw. Chicken Nuggets gegönnt. Am liebsten hätten wir Beide jetzt einen kleinen Mittagsschlaf gemacht. Allerdings war es draußen doch recht kühl und so ging es wieder auf die Räder. Auf einer Eisenbahn- und Radbrücke hatten wir dann nochmal einen schönen Blick auf die Ems.

Die Ems bei Rheine
Die Ems bei Rheine

Das Stück vom Emsradweg von Lingen bis Münster (bzw. Bockholt) ist wirklich toll zu fahren. Die GPS Daten auf dem Handy hätten wir im Prinzip nicht gebraucht, da auch die Beschilderung wirklich gut gemacht ist.

Nachdem wir Rheine dann verlassen haben ging es dann schon in Richtung unseres Tagesziels: Emsdetten. Auch hier führte der Weg dann immer mal wieder über kleine Feldwege, aber auch manchmal an Landstraßen entlang. Aber alles in allem weiterhin eine tolle Strecke.

Lostplace am Wegesrand
Lostplace am Wegesrand

Das Hotel haben wir dann um ca. 16:00 Uhr trotz vieler Pausen erreicht. Also deutlich früher als ich gedacht hätte. Insgesamt sind wir am ersten Tag 49,3 Kilometer gefahren, da wir ein paar kleine Umwege eingebaut haben. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 9,8 km/h und die Höchstgeschwindigkeit bei 20 km/h. Somit saßen wir gute 5 Stunden auf dem Rad.

Der zweite Tag auf dem Emsradweg

Unser zweiter Tag auf dem Emsradweg begann mit einem ausgedehnten Frühstück im Hotel. Und nachdem wir dann alle Sachen gepackt, ausgecheckt und die Räder bereitgemacht hatten, ging es dann los in Richtung Greven. Direkt nach dem Start folgte dann das erste Highlight, eine Art Hängebrücke über die Ems.

Kleine Hängebrücke bei Emsdetten auf dem Emsradweg
Kleine Hängebrücke bei Emsdetten

Teilweise hatten wir sogar noch Frühnebel und vor allem die gesamte Strecke noch für uns, da 8:30 Uhr wohl sonst noch kein anderer Radfahrer an einem Montagmorgen auf dem Emsradweg unterwegs ist. Ja mein Sohn ist ein Frühaufsteher.

Sperrung bei Hemmbergen

Nach den ersten Kilometern mussten wir dann bei Hemmbergen feststellen, dass eine Brücke über die Ems leider gesperrt ist. Allerdings war die Umleitung perfekt ausgeschildert und somit haben wir unser Zwischenziel, Greven, trotzdem gut erreicht. In Greven gab es dann zum Mittag erstmal einen großen Eisbecher und ich konnte auf dem Handy noch die weitere Routenplanung vornehmen. Dabei habe ich dann auch gesehen, dass die Brückensperrung auf der Webseite des Emsradweges schon länger angekündigt war und sogar eine Umleitungs-GPX-Datei zur Verfügung Stand.

In Greven haben wir uns dann noch schnell umentschieden und sind nicht direkt in Richtung Münster vom Emsradweg abgebogen, sondern sind ihm weiter bis zu der Emsüberquerung in Bockholt gefolgt da mein Sohn unbedingt sehen wollte wie ein Kanal einen Fluss überqueren kann. Und insgeheim wollte ich das auch schon gerne sehen 🙂

Die Emsquerung bei Bockholt
Die Emsquerung bei Bockholt

Schon imposant so ein Bauwerk. Und vor allem konnten wir noch die Baustelle für die zweite Fahrt sehen und so gut erkennen wie die Ems wirklich überquert wird.

Von dort ging es dann wirklich runter vom Emsrandweg und rauf auf eine selbst geplante Router in Richtung Münster. zuerst ging es durch die Rieselfelder Münster. Ein ziemlich großes Naturschutzgebiet. Einziger Nachteil ist, dass die Straße dort keinen Radweg besitzt und sich die Autofahrer sich leider nicht an die vorgeschriebenen 50 km/h halten. Aber auch die Strecke ging schnell und unfallfrei vorüber und führte uns dann immer näher an Münster heran.

An den Rieselfeldern in Münster
An den Rieselfeldern in Münster

Münster selbst wurde dann nochmal zu einer kleinen Herausforderung, aber auch die hat mein Sohn super gemeistert. Und so haben wir unser Ziel dann gegen 14:30 Uhr erreicht.

Insgesamt sind wir am zweiten Tag 47,1 Kilometer gefahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 10,5 km/h und die Höchstgeschwindigkeit bei 28 km/h. Somit saßen wir gute 4,5 Stunden auf dem Rad.

Fazit

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich unheimlich stolz auf meinen Sohn bin, dass er diese lange Strecke so problemlos durchgehalten hat. Ich hätte nicht damit gerechnet dass wir wirklich so problemlos durchkommen und habe daher auch deutlich mehr Zeit bzw. Pausen eingeplant. Zur Sicherheit hatten wir natürlich jederzeit die Möglichkeit meine Frau anzurufen, die uns innerhalb von einer Stunde von jedem Punkt der Strecke hätte abholen können. Aber das war nicht nötig.

Eins steht schon fest: Wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder eine gemeinsame Radreise unternehmen. Und dann vielleicht zu viert, da auch meine Tochter schon sehr gut Rad fährt 🙂

Vielen Dank für´s Lesen!